Chronik  der Damenkarnevalsgesellschaft "Sonnenschein" 1929 e. V. Sankt Augustin-Mülldorf

Karnevalszüge und kleinere Gruppen in bunter Maskerade vor Beginn der 40-tägigen Fastenzeit, die ihre Wurzeln in alten Vorfrühlingsbräuchen haben, lassen sich im Raume Bonn bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. Dem Kurfürsten missfiel dieses Treiben nicht nur in Bonn, sondern auch in der Hochburg Köln und drohte 1785 mit Maßregeln und Verbot des Maskentreibens.
Eine Wiederbelebung des Brauchtums rheinischen Karnevals ging Anfang der 20er Jahre des 19. Jahrhunderts von Köln aus. In den Städten und Dörfern bildeten sich karnevalistische Vereinigungen und Komitees. Höhepunkt des närrischen Treibens waren die Rosenmontagszüge, in denen die Herren in Uniformen, alten Gewändern oder Kleidern aus längst vergangener Zeit die Obrigkeit und besondere Ereignisse in Stadt und Dorf persiflierten.
Im kleinen Fischerdorf Beuel gründeten die Wäscherinnen 1824 ein Damenkomitee, nachweislich die erste karnevalistische Frauenvereinigung im Rheinland. Sie wählten den Donnerstag vor Karnevalssonntag für ihre Versammlungen und um an diesem Tag, dem Weiberfastnachtstag, das Regiment zu übernehmen.
Angeregt durch das Karnevalstreiben in Stadt und Land gründeten Mülldorfer Bürger im Januar 1878 in ihrer damals selbständigen Gemeinde im Amt Menden das "Fastnachts Komitee Siegburg-Mülldorf'. Für viele Mülldorfer Vereine war die Gaststätte Dorfstübchen mit Saal der Eheleute Rheindorf in der Mendener Straße Vereinslokal. Da es für das weibliche Geschlecht nicht schicklich war, ohne männliche Begleitung eine Gaststätte zu betreten, trafen sich die Frauen in der Küche der Gastwirtin. So kamen am 11.11.1928 in jener Küche einige beherzte, unternehmungslustige Mülldorfer Hausfrauen zusammen und gründeten die Damen-Karnevals-Gesellschaft "Sonnenschein" Siegburg-Mülldorf, die unter ihrer ersten Präsidentin Frau Christine Hallberg Weiberfastnacht 1929 ihre, Premiere im Rheindorfssaal feierte. Die Veranstaltung hatte einen starken Zuspruch. Wie dem Protokoll vom 4.2.1932 zu entnehmen ist, konnten die Damen mit gelungenen Gesangsvorträgen, Büttenreden und Tänzen beweisen, dass sie ebenso gut, wenn nicht noch besser verstehen, wie die Männer Karneval zu feiern.
Mit viel Freude und Begeisterung wurde schon lange vor der Fastnachtszeit für das nächste Hochfest des Damenkarnevals mit nur vereinseigenen Kräften gearbeitet. Hierzu dienten bis heute die monatlichen Versammlungen und Proben der Vereinsmitglieder, bis durch den Krieg von 1939 bis 1945 eine Zwangspause entstand. Doch an Weiberfastnacht 1946 hatten sich die Mitglieder wieder zusammengefunden und feierten ihren Kaffeeklatsch in ihrem neuen Versammlungslokal, der Gaststätte Alt Mülldorf.
Durch die Kriegsereignisse wurde die Saalfrage zu einem Problem. Den Wechsel vom Rheindorfssaal an der Mendener Straße über den Webersaal an der Bonner Straße (heute Kreissparkasse) sowie Sälchen An der Hongsburg (Käthi Hupperich) und Schulzentrum Niederpleis zur im März 1988 eingeweihten neuen Mehrzweckhalle Mülldorf hat die Gesellschaft gut überstanden. Seit 1989 finden dort alle Weiberfastnachtsveranstaltungen statt.
Mit der Bildung der Großgemeinde Sankt Augustin im Jahre 1969 hat sich die ehemalige selbständige Gemeinde Siegburg-Mülldorf den Namen Sankt Augustin-Mülldorf gegeben, den auch die Damenkarnevalsgesellschaft übernommen hat. Mit Satzung vom 05.03.1996 hat die Gesellschaft die Eintragung in das Vereinsregister betrieben und führt seitdem den Namen "Damenkarnevalsgesellschaft SONNENSCHEIN 1929 e.V., Sankt AugustinMülldorf'. Die Satzung sieht neben der Präsidentin nunmehr die Möglichkeit einer Vorsitzenden vor. Zur Gesellschaft, die bei Gründung nur aktive Mitglieder kannte, gehören heute 25 inaktive Mitglieder und 4 Senatorinnen sowie die Ehrenpräsidentin Maria Langenfeld.
Die heutige Zeit verlangt einen viel größeren Aufwand als vor 75 Jahren. So geht es leider bei der wachsenden Stadt nicht mehr ohne auswärtige Kräfte bei den Veranstaltungen, eine wahrlich schwierige Aufgabe für die derzeitige Literatin Helga Busch. Die Damen der Gesellschaft haben nicht nur während der Karnevalszeit "Spaß an der Freud", sondern wirken bei vielen Festen des Stadtteiles Mülldorf mit, z.B. bei der Rathauserstürmung oder mit Waffeln backen beim Flohmarkt, Stadtfest, Kirmes, Fest der Nachbarschaftshilfe oder Behindertenschule. Auch beim Seniorenfest in Mülldorf sind sie nicht mehr wegzudenken. Sie verwandeln die Mehrzweckhalle an der Bonner Straße in einen karnevalistischen Prunksaal. Das bunte Programm mit eigenen und fremden Kräften stellt seit 10 Jahren die Literatin der Gesellschaft zusammen. Es steht wie an Weiberfastnacht unter der souveränen Leitung der Präsidentin Doris Hutmacher und ihrem Elferrat.
Als Chronist wünsche ich, dass die Damenkarnevalsgesellschaft SONNENSCHEIN mit ihren Gästen und Mülldorfer Bürgerinnen noch viele Jahre im "Gürzenich von Mülldorf' ihre Weiberfastnacht feiern kann. Die Fortsetzung dieser Tradition macht jedoch erforderlich, dass die derzeit 45 Aktiven noch durch viele junge Damen als neue Mitglieder verstärkt werden. Die Damen der Gesellschaft treffen sich zur Vorbereitung ihrer Aktivitäten seit eh und je alle vier Wochen montags. Versammlungslokal war bis zur Schließung die Gaststätte Knusperhäuschen und ist jetzt die gaststätte "Alt Mülldorf".
"Vell Sonn"  -  Udo Bihn